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"Noch 'nen Drink?"
Christoph winkte mit der Ginflasche.
"Ich weiß nicht, ja mach mir noch einen, aber mit viel Tonic." Ich spürte den Schweiß an den Achseln herunterlaufen und ich dachte mir, dass es noch heißer werden würde, und dass ich darauf warten würde, dass der Alkohol mir den Schweiß aus den Poren treibt.
Es war noch nicht spät, die Sonne stand noch tief und ich war noch nicht müde, obwohl ich die ganze Nacht mit Chris gesessen hatte und wir geschwiegen hatten, was anstrengender ist als das Reden.
Die Yacht dümpelte am Anker und ab und zu drehte sich das Ruderrad nach links und ab und zu drehte es sich nach rechts und ich versuchte zu erraten, wann es sich nach rechts und wann nach links drehen würde.
Wir lagen vor einer kleinen Insel und ich liebte die Schären und zog die Stille in mich ein. Die Morgenbrise war verschwunden und die Hitze senkte sich wie ein Tuch über die Welt und erstickte jeden Laut und jedes Leben und jede Zeit.
 
Christoph reichte mir das Glas herüber und es war kalt.
Ich nahm einen Schluck und spürte, wie der Geschmack meine Bitterkeit erwiderte. "Warum, Tom?" fragte Chris.
"Was?"
"Ich meine, warum verdammt sitzen wir hier?"
"Was?" Ich schaute ihn fragend an und wußte schon, was er meinte.
 
"Ich meine, warum sitzen wir hier und warum spielt in Hamburg ein Kind mit seinem Vater und in New York trinkt sich so 'nen armes Schwein tot, du weißt schon, so verdammt tot, dass du noch am Leben bist, wenn du glaubst, du bist schon tot und du einfach nicht sterben kannst, weil du diese verdammte Ruhe nicht finden kannst,  diese  verdammte  Ruhe,  die  zu  diesem verdammten Leben brauchst und zu diesem verdammten Sterben."
 
"Weil es nun mal so ist, Chris..." Ich spürte einen Schweißtropfen an meiner rechten Seite herablaufen und hatte schon darauf gewartet und es war wie immer, aber ich hatte keine Angst als die Gänsehaut kam, die mir wie immer den Rücken herablief und die versuchte mir Angst zu machen.
Aber ich wollte keine Angst haben, denn es war wie immer und das Gefühl war mir vertraut und ich fühlte mich leer, weil es war wie immer.
"Verdammt. So verdammt ist es." sagte Chris und ich sagte nichts
und wartete auf den nächsten Schweißtropfen.
 
Eine Möwe flatterte vorbei und versuchte zu schweben, aber es war kein Wind und sie schlug kräftig mit ihren Flügeln um Höhe zu gewinnen und versuchte dann wieder zu schweben, aber sie verlor sofort wieder an Höhe und musste wieder kämpfen um Luft holen zu können um wieder Höhe zu verlieren und die Hitze ließ ihr keine Ruhe und ich wußte, dass Chris recht hatte.
Und dass wir wieder Wind haben würden.
Und dass der Wind die Frage verwehen würde.
So, dass sie noch da sein würde, aber ich nicht mehr hinschauen müsste und dass es sein würde wie immer.
 
"Ich glaube es gibt noch eine Brise, mach mir noch 'nen Drink, Chris, bevor
der Wind kommt und ich nicht mehr mag."
Er verschwand in der Kajüte und ich spürte einen Luftzug an meinem Arm.
Ich suchte die Möwe, aber die war verschwunden und ich wußte, es würde
sein wie immer.
 
 
 
 
 
 
Sonntag, 24. Februar 2008
Warum?